5 Dinge, die das Üben nachhaltig verändern können



Üben, üben, üben, am liebsten alle Stunden, die der Tag hergibt... kommt das bekannt vor? Ja, mir auch. Aber ist das sinnvoll? Vielleicht nicht. Das ist ein Aspekt, über den sich viele Musiker schon im Klaren sind. Stichwort: Klasse statt Masse. Nur wie bekommt man die „Klasse“ ins Üben, wodurch hebt man die Qualität? Heute möchte ich schreiben, wie kleine Gewohnheiten, die scheinbar nichts mit Üben zu tun haben, dazu geführt haben, mein Üben zu verändern.

1. Boden und Balancebewegung. Wer im Stehen übt: im schulterbreiten Stand stehen, um eine gute Gewichtübertragung des Oberkörpers an den Unterkörper zu ermöglichen. Den Kontakt der Fußsohle mit dem Boden spüren. Das Körperzentrum öffnen und mit leichten Balancebewegungen beginnen. Zuerst von links nach rechts (dabei die Knie durchlässig lassen, sodass man leicht mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben), dann vorne-hinten, dann zu erst die eine Diagonale, dann die andere, zum Schluss Kreisbewegung in beide Richtungen. Die Geschwindigkeit soll so sein, dass man sein Gewicht dabei gut wahrnehmen kann. Die Führung dieser Bewegungen liegt im Körperschwerpunkt (in der Mitte des Beckens). Wenn Ihr im Sitzen übt, sitzt so, dass Eure komplette Vorderseite vom Stuhl unterstützt wird. Die Höhe des Stuhls soll so sein, dass es einen leicht abfallenden Winkel zwischen Hüfte und Knie gibt. Die Füße so positionieren, dass sie vollen flächigen Kontakt mit dem Boden haben. Wenn man auf einem Knie leicht Druck mit einer Hand anwendet, soll sich das auf die gesamte Fußfläche auswirken. Vielleicht müsst Ihr die Füße ein wenig zu Euch heranziehen. Beginnt mit den Balancebewegungen wie oben beschrieben. Auch hier gilt: Führung kommt vom Körperschwerpunkt, Gewicht dabei spüren. Anwendung in der Übepraxis: Den Boden zu spüren beim Musizieren erhöht Wahrnehmungsklarheit. Da Musizieren ein komplexer Vorgang ist, ist es von Vorteil, den Körper außerhalb des Instruments darauf abzustimmen und vorzubereiten. Balancebewegungen sprechen direkt das Balanceorgan an, das eng mit dem Hören verknüpft ist. Außerdem erleichtern Balancebewegungen den Atemfluss.

2. Hören von feinen Umgebungsgeräuschen im Raum. Diese Übung ist am effektivsten, wenn man sie nach Nr. 1 ausführt, wenn der Körper in Balance ist. Begebt Euch in eine leichte Mikrobalance mit dem Körper, d.h. lasst den Körper jetzt selbst in die Richtungen gehen, und sich selbst auszubalancieren. Dann Augen schließen und in den Raum hinein hören. Dabei geht es darum, wertfrei alle Klangeindrücke zu sammeln, die an das Ohr gelangen. Das können Geräusche im Raum selbst sein (Heizung, Licht, Dielenknarren) oder solche, die von außen kommen (Autos auf der Straße, Vögel, Mitbewohner, Kommilitonen im nächsten Überaum). Das Ohr wird eingeladen, auf feinste Weise wahrzunehmen, was um es herum geschieht. Nun im Hören das Instrument nehmen – nur nicht das Hören dafür ausschalten! So oft hören wir nicht mehr, wenn wir eine einfache Aufgabe ausführen. Nach dem Anlegen des Instruments, weiter im Hören das Spiel vorbereiten (atmen, oder Finger an der Tastatur anlegen, etc), dann: im Hören losspielen. Anwendung in der Übepraxis: ein offenes Ohr führt sicher und klar zum Übeziel. Dabei ist die Qualität des Hörens entscheidend. In der Resonanzlehre wird vermittelt, wie das Hören die Bewegung führen kann. Diese Übung ist eine Möglichkeit, ein offenes, rundes Hören zu trainieren.

3. Einen ausreichenden und erholsamen Schlaf. Ich muss hier nicht die wissenschaftlich belegten Vorzüge des Schlafens aufzählen. Jeder weiß, wie viele Stunden er braucht, um am nächsten Tag frisch zu sein; ich möchte hier nicht darauf eingehen, wie das konkret aussehen kann. Ich plädiere nur: Gebt Eurem Körper eine Freude und macht Schlafen zur Priorität. Man kann zum Beispiel damit anfangen, sich täglich 30 Minuten mehr Schlaf zu geben. Ich habe dieses Thema in den letzten Wochen zur persönlichen Priorität gemacht und kann nur bestätigen, wie anders ich mich besonders beim Üben fühle. Anwendung in der Übepraxis: Erhöhte Konzentrationskapazität, Leistungsfähigkeit und Reagibilität, nicht nur im Geist, sondern auch in den Muskeln.

4. Viel Wasser trinken. Auch das ist ein Thema, das mich sehr beschäftigt. Es ist in der letzten Zeit eine meiner Prioritäten des Tages geworden. Ich finde es hilfreich, mir meine Wunschmenge in Flaschen abzufüllen. Dann kann ich sehen, wie viel ich am Tag schon getrunken habe. Ich kenne viele Menschen, die sagen „Ich sollte mehr trinken“. Dehydratation bedeutet, dass die Körperzellen nicht genügend Wasser für ihren Stoffwechsel erhalten, und das kann uns nicht gut tun. Also warum nicht auch hierauf ein wenig Aufmerksamkeit legen? Anwendung in der Übepraxis: Erhöhte Konzentrationskapazität, Leistungsfähigkeit und Reagibilität, nicht nur im Geist, sondern auch in den Muskeln.

5. Meditation. Ok, ja, es musste kommen. Ich habe mich auch lange Zeit gewehrt, aber ich musste irgendwann erkennen: wenn ich regelmäßig meditiere, geht es mir besser im Laufe des Tages. Das Meditieren selbst ist nicht immer entspannt. Den Effekt merke ich trotzdem über den restlichen Tag. Ich meditiere zur Zeit nur 5 Minuten am Tag. Jeden Tag. Ich lade euch ein, das eine Zeit lang auszuprobieren. Und: Man muss seine Beine nicht zu einem Knoten machen. Der berühmte Lotussitz ist dafür nicht notwendig. Man kann auf einem Stuhl sitzen oder knien. Wichtig ist nur, dass der Rücken aufrecht ist und sich nicht anzulehnen. Kurz die Augen schließen und den Atem wahrnehmen. Wenn Gedanken kommen, vorbeiziehen lassen. Und zurück zum Atem kommen. Anwendung in der Übepraxis: mit der Zeit kam bei mir mehr Klarheit ins Üben, so dass ich schneller erkannte, was beim Üben nützt und was nicht. Auch eine gewisse Übersicht kommt dabei: ich konnte beim Üben besser das große Bild im Auge haben.

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